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Was sind polychlorierte Biphenyle (PCB)

Als polychlorierte Biphenyle (PCB) wird die Gruppe chemischer Verbindungen bezeichnet, in der zwei Aromatenringe über eine Einfachverbindung verbunden sind. An den Aromatenringen sind jeweils ein oder bis zu fünf Chloratome gebunden. Abhängig von der Anzahl der Chloratome und deren Stellung an den Ringen sind somit insgesamt 209 verschiedene Verbindungen (Kongenere) möglich. Um diese kurz zu benennen, hat Balschmitter diese systematisch erfasst, kategorisiert und ihnen einzelne Nummern zwischen 1 und 209 zugeordnet. Nach dieser Benennung werden die unterschiedlichen Kongenere auch als Balschmitter- Kongenere bezeichnet.
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Der Zugang zum Lehrerzimmer
(Probesanierungsraum) erfolgt
durch diese Schleuse.
Während der Arbeiten im Probesanierungsraum wird die Luft abgesaugt
und gefiltert, um die entstehenden PCB-haltigen Staubpartikel aufzufangen.
 


Vor Abnahme der Deckenplatten im Musiksaal wird alles andere
hermetisch abgeklebt.

Die Decke im Musiksaal nach Abnahme der belasteten Deckenplatten (s.a. unten)

Das Foto zeigt die mit gasdichtem Lack beschichtete Decke der Aula

Wie kam PCB in unsere Schule?
Zur Bauzeit des ersten Bauabschnitts wurde es wegen seiner guten Brandschutzeigenschaften als Bestandteil der Deckenplatten benutzt. Wegen seiner hohen Elastizität ist es auch in sämtlichen Fugendichtungen zwischen den Waschbetonplatten und um die Fenster enthalten.

Was ist das Gesundheitsschädliche an PCB?
Seit 1984 ist seine Verwendung in Deutschland verboten, weil es als krebserregend gilt. Nach neueren Forschungsergebnissen gerät das mit der Atemluft aufgenommene gasförmige oder an Staubteilchen abgelagerte PCB über die Nasenschleimhäute auf der Blutbahn direkt in die Nervenenden im Gehirn und soll dort bei einzelnen Personen mit schwacher Immunabwehr gegen PCB Schäden anrichten, was sich u. a. in Konzentrations- und Gedächtnisstörungen auswirkt. Besonders gefährdet soll der kindliche Organismus sein, da dessen Immunabwehrsystem noch nicht fertig ausgebildet ist. Auf Internetseiten kann man lesen, dass das bei immer mehr Kindern festgestellte Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS) darin seine Ursachen haben kann.
In der Medizin besteht aber noch keine Einigkeit über die Auswirkung von eingeatmetem PCB.

Wie sind die gesetzlichen Bestimmungen bei PCB-Belastung in Schulen?
Wie in der Medizin ist es mit der Einschätzung der Landesgesetzgeber, welcher Grad von Raumluftbelastung mit PCB in Schulen als gesundheitsgefährdend einzustufen ist. So besagen die hessischen Richtlinien, dass bei über 300 Nanogramm pro Kubikmeter (300 ng/m³; 1 ng = 1/1 000 000 000 g) Raumluft innerhalb von 2 Jahren der PCB-Gehalt unter diesen Wert gesenkt werden muss. Bei Werten über 3.000 ng/m³ muss innerhalb von 3 Monaten dieser Wert unterschritten werden. Im Bundesdurchschnitt sind wir Hessen bei diesem Höchstwert noch „gut bedient“: In Bayern, Baden-Württemberg und Bayern z. B. liegt dieser Soforteinschreitungswert bei 9.000 ng/m³! Dies muss noch lange nicht besagen, dass wir „optimal bedient“ sind: Eine seriöse Studie im Auftrag des nordrheinwestfälischen Umweltministeriums fordert statt der bisherigen 300 und 3.000 ng/m³ – 20 und 200 ng/m³!!!

Welche Werte wurden denn in unserer Schule gemessen?
Bei den ersten Messungen im April 2002 wurden in mehreren Klassenräumen des „Altbaus“, in dem die 4. – 10. Klassen unterrichtet werden, Werte zwischen 2205 und 2825 ng/m³ gemessen. In der auch als Musiksaal genutzten Aula waren es sogar 3920 ng/m³! – Damit ist unsere Schule die weitaus am höchsten belastete im Kreis!
Diese Messergebnisse sind nicht absolut: Man weiß, dass sich die Werte pro 5°C Lufterwärmung verdoppeln; rechnen Sie selbst: Wie mögen dann die Werte im Juli / August gewesen sein?!?!?

Wie wird die Sanierung an unserer Schule durchgeführt?
Nach weniger erfolgreichen vorher versuchten Methoden an anderen Schulen des Kreises (z. B. Lindenholzhausen, Selters) scheint das Kreisbauamt nun fachgerechter orientiert zu sein. Nach allgemein üblichem Verfahren wurden zuerst die als ursprünglich PCB-haltig bekannten Materialien untersucht. Bei uns waren es hauptsächlich die Deckenplatten, weniger die elastischen Fugenmassen, da sie relativ schmal sind. Dann wurde das Lehrerzimmer als Mustersanierungsraum ausgewählt – nicht, weil die Lehrer bevorzugt werden sollten, sondern weil jeder zu sanierende Raum hermetisch abgeschlossen werden muss und einen Zugang von außen haben muss, und da das Lehrerzimmer im Erdgeschoss liegt und nebenan keine Klassenräume sind, bot es die günstigsten Voraussetzungen. Jetzt begann ein leider sehr langwieriger, zeitraubender Ablauf: Nach der Suche nach einer geeigneten Fachfirma begannen die Arbeiten Mitte Juli (also ein Vierteljahr nach der ersten Messung!), die Deckenplatten im Lehrerzimmer abzureißen. Da es üblich ist, aus Kostengründen nach jedem Arbeitsschritt nachzumessen, ob der Wert schon unter 300 ng/m³ sinkt und dabei immer einige Tage nach den Arbeiten Abstand gehalten werden muss, kam es zu folgendem Zeitplan:
30.7.02: erste Kontrollmessung: 2881 ng/m³ (höher als vorher; allgemein üblich kurz nach der Entfernung),
Bis 9.9.02: noch dreimal gemessen, bis die Decke mit gasdichten aluminiumbeschichteten Platten geschlossen wurde, weil das Material in Richtung Betondecke das PCB aus den ursprünglichen Platten aufgenommen hatte. Ergebnis: 1385 ng/m³.
Im Musikraum wurden nach Entfernung der ursächlich verursachenden Deckenplatten und der im Laufe der Jahre belasteten Vorhangstoffe des Bühnenraums 1000 ng/m³ gemessen.
Woche vom 2.12.02-7.12.02: Die Wände im Lehrerzimmer und im Musikraum sowie die offenliegenden Deckenschalungselemente des Musikraums werden mit gasdichtem Lack beschichtet. Anschließend werden dort schalldämmende Deckenplatten montiert. Bauamt, Schulleiter und Vertreter des Sanierungsausschusses besichtigen das gesamte Schulgebäude, um andere Sanierungsmaßnahmen (z. B. Brandschutz, Verlegung von Kabeln für zukünftiges Computerklassennetzwerk) im Rahmen der PCB-Sanierung festzulegen.
W.B.

Dazu gibt es im Internet einige Informationen:

PCB-Elterninitiative der Fürst-Johann-Ludwig-Schule in Hadamar
Diese Homepage wurde von Eltern für Eltern erstellt,
um allen Interessierten die Gelegenheit zu geben,
sich zum einen uneingeschränkt über das PCB-Problem zu informieren
und zum anderen den Austausch untereinander zu ermöglichen.
- Sehr ausführliche Informationen mit riesiger Linkliste und Gästebuch!

Jürgen Jäger
Umwelt- und Schadstoffbeauftragter der GEW Hessen

Vom Umgang mit PCB-Belastungen in Schulen

PCB - polychloriertes Biphenyl
Informationen vom biomess Ingenieurbüro GmbH • Herzbroicher Weg 49 • 41352 Korschenbroich

nrwtazruhr -
Donnerstag, 18.01.2001- Lernen im Gift
- Zeitungsartikel: Über die Hälfte der NRW-Schulen ist marode oder PCB-verseucht.
Sie müssten dringend saniert werden. Doch den Kommunen fehlt das Geld und der politische Wille...

Unsere PCB-Geschichte
- Aufgrund der Verseuchung mit dem Umweltgift PCB wurde unsere Schule 1999 fast komplett abgerissen
und anschließend neu aufgebaut. Über die Geschehnisse aus dieser Zeit berichtet der Artikel aus
der Zeitschrift “Spitze” (Grundschule Nordholz)

BUWAL warnt vor nicht fachgerechten Sanierungen
- Pressemitteilung vom 10. November 2000 aus der Schweiz

Literatur:
• "PCB-Emissionen beim Korrosionsschutz." Bezugsquelle: Bundesamt für Umwelt, Wald und
Landschaft (BUWAL), Dokumentation, 3003 Bern, Fax 031 324 01 16, E-Mail:
docu@bafu.admin.ch, Internet: http://www.bafu.admin.ch/, Bestellnummer: VU-
5018-D